Die Zeit nach der Haartransplantation ist für viele Patienten die aufregendste, aber auch eine der herausforderndsten Phasen. Sie haben sich für den Eingriff entschieden – wir können uns gut vorstellen, wie aufgeregt Sie sind. Es sind nur noch wenige Schritte, bis Sie Ihr lang ersehntes Ziel erreichen. Dennoch erwartet Sie nun eine nicht minder anspruchsvolle Zeit: das Warten. Ja, Sie haben richtig gehört – Geduld ist jetzt gefragt. Ein für Sie völlig neuer Prozess beginnt. Was müssen Sie beachten? Was ist erlaubt und was nicht? Wir haben diese für Sie vielleicht noch rätselhafte Thematik in unserem Artikel ausführlich für Sie aufbereitet.
Haarwachstum nach der Transplantation: Monatliche und wöchentliche Fortschritte
Im Folgenden möchten wir Ihnen den gesamten Zeitraum nach der Haartransplantation zusammenfassen – von den ersten Tagen bis zum vollständigen Abschluss des Prozesses, der etwa 1,5 Jahre in Anspruch nimmt. Wir sind zuversichtlich, dass Sie in diesem Artikel Antworten auf alle Ihre Fragen finden werden. Sollten Sie dennoch auf postoperative Themen stoßen, die in diesem Beitrag nicht behandelt werden, teilen Sie uns dies bitte mit – wir werden so schnell wie möglich darauf eingehen.
Da der Prozess langwierig ist, möchten wir Sie bitten, sich nicht zu stressen. Es kann durchaus vorkommen, dass der Verlauf nicht exakt wie beschrieben verläuft. Bitte brechen Sie in dieser Zeit den Kontakt zu Ihrer Klinik nicht ab. Nun beginnen wir mit der detaillierten Zusammenfassung der Zeit nach der Haartransplantation – Monat für Monat, Woche für Woche und Tag für Tag.
Die ersten 5 Tage nach der Haartransplantation
Nach dem Eingriff können Sie in Ihr Hotel oder nach Hause zurückkehren. Die Spenderregion im Nacken wird mit einem Verband abgedeckt, um einen leichten Druck auszuüben – dies dient dazu, nächtliche Sickerblutungen zu vermeiden. Die frisch transplantierten Grafts können zunächst eine leicht blutige Erscheinung zeigen, trocknen jedoch rasch ein.
Starke Schmerzen treten in der Regel nicht auf; bei gelegentlichen Beschwerden genügen einfache Schmerzmittel in Tablettenform. Achten Sie beim Schlafen darauf, möglichst mit erhöhtem Oberkörper (z. B. mit zwei Kissen) zu ruhen. In seltenen Fällen kann es zu einer leichten Sickerblutung aus der Entnahmeregion kommen – dies ist in der Regel unproblematisch. Sie erhalten zu Ihrer Sicherheit einen speziellen Kissenbezug, den Sie über Ihr Kissen legen sollten, um dieses vor Verunreinigungen zu schützen und Beschwerden durch Druck zu vermeiden.
Die erste postoperative Woche
Am nächsten Tag kann der Verband am Kopf entfernt werden. Da wir bevorzugt mit der Stiftmethode (DHI) arbeiten, führen wir die erste Haarwäsche bereits am ersten Tag nach dem Eingriff durch. Kliniken, die mit der klassischen FUE-Technik arbeiten, empfehlen die erste Wäsche in der Regel erst am dritten oder vierten Tag. Aufgrund der Vorteile der Stiftmethode halten wir es jedoch nicht für sinnvoll, drei bis vier Tage zu warten. Wir empfehlen Ihnen, die erste Wäsche wenn möglich in der Klinik durchführen zu lassen, in der der Eingriff stattfand. Da wir das Thema der Haarwäsche nach der Haartransplantation in einem separaten Artikel bereits ausführlich behandelt haben, möchten wir an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.
Die kritischste Phase nach der Haartransplantation sind die ersten 48 Stunden. In dieser Phase, die als Epithelisierung bezeichnet wird, ist besondere Vorsicht geboten, damit die transplantierten Haarwurzeln fest anwachsen können. Vermeiden Sie unbedingt jede Art von Stößen oder Druck auf den Kopf. Schlafen Sie nicht mit dem Gesicht nach unten. Achten Sie darauf, dass Sie während des Schlafens nicht unbewusst mit dem Kopf am Kissen reiben. Sollte es durch Reibung zu Blutungen kommen, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Haare in diesem Bereich leider nicht angewachsen sind.
Ab dem zweiten oder dritten Tag nach dem Eingriff kann es zu einer Schwellung am Kopf kommen – dem sogenannten Ödem. Dieses Thema haben wir in unserem ausführlichen Artikel zur Schwellung nach der Haartransplantation bereits detailliert behandelt. Diese Schwellung ist grundsätzlich ein normaler Vorgang – wird sie jedoch vom Behandler nicht vorab kommuniziert, kann sie vom Patienten als unerwartete Komplikation wahrgenommen werden und zu Verunsicherung führen. Die Schwellung entsteht durch die während des Eingriffs in die Kopfhaut eingebrachte Flüssigkeit und das Lokalanästhetikum. Bei der DHI-Methode wird keine zusätzliche Flüssigkeit in die Kopfhaut injiziert, weshalb Schwellungen hier deutlich seltener oder gar nicht auftreten. Falls dennoch eine Schwellung entsteht, kann diese vier bis fünf Tage anhalten.
Fahren Sie mit der routinemäßigen Haarwäsche fort, wie sie bereits am ersten Tag durchgeführt wurde. An warmen Tagen können Sie die Haare sogar drei- bis viermal täglich waschen. Wenn Sie das Haus verlassen, können Sie die Ihnen ausgehändigte Kopfbedeckung tragen. Diese bietet nicht nur einen optischen Schutz (Camouflage), sondern schützt die transplantierte Region auch vor direkter Sonneneinstrahlung. Ideal sind dabei leichte Stoffhüte (z. B. Safarihüte). Setzen Sie die Kopfbedeckung jedoch nicht bis zum Anschlag auf. Das Tragen eines Bandanas ist in diesen Tagen ebenfalls gestattet.
Die Tage 7 bis 10 nach der Haartransplantation und der Heilungsprozess
Durch die täglichen Haarwäschen lösen sich die Krusten allmählich ab – nach etwa sieben Tagen können sie sogar vollständig verschwunden sein. Sollten sie sich noch nicht vollständig gelöst haben, ist dies kein Grund zur Sorge – der Heilungsprozess ist noch im Gange. In dieser Phase kann es im Spender- und Empfängerbereich zu Juckreiz kommen, was völlig normal ist. Bei der unrasierten FUE-Methode sowie bei Transplantationen bei Frauen sind die Krusten aufgrund der längeren Haare leicht zu kaschieren – in den ersten Tagen sind sie oft gar nicht sichtbar.
Bereits ab dem ersten Tag nach dem Eingriff beginnt eine Phase der schnellen Heilung. Im Empfängerbereich bilden sich ab dem ersten Tag Krusten, die nach etwa zehn Tagen vollständig verschwunden sind. Auch die Heilung der Spenderregion verläuft rasch – vorausgesetzt, es wurden nicht mehr Grafts entnommen, als die Spenderkapazität zulässt. Zudem ist bei einer homogenen Graftentnahme mit feinen Punch-Instrumenten innerhalb von zehn Tagen mit einer sehr raschen Regeneration der Spenderregion zu rechnen.
Bei genauer Betrachtung ist der operative Eingriff in der Spenderregion kaum erkennbar. Selbst wenn Sie nach zehn Tagen eine Person treffen, die Sie länger nicht gesehen haben und nichts von Ihrer Haartransplantation weiß, wird diese vermutlich lediglich annehmen, Sie hätten Ihre Haare auf drei Millimeter rasiert. Die Krusten sollten zu diesem Zeitpunkt vollständig abgeheilt sein. Die meisten Patienten sind mit dem Erscheinungsbild am zehnten Tag ausgesprochen zufrieden.
Nach einer Woche ist die Schwellung bereits deutlich zurückgegangen. Falls Juckreiz auftritt, kann dieser bis zu 15 bis 20 Tage anhalten.
Viele unserer Patienten haben Angst davor, die Haare zu waschen, weil sie befürchten, dass die transplantierten Wurzeln herausfallen könnten. Einige berichten sogar, dass sie sich beim Duschen nur mit Wasser abspülen und dann wieder herausgehen. Sollte dies bei Ihnen der Fall sein, nehmen Sie bitte Kontakt mit Ihrer Klinik auf. Falls möglich, vereinbaren Sie einen Termin vor Ort, um die vollständige Entfernung der Krusten sicherzustellen. Ab dem elften Tag sollten die Krusten vollständig abgeheilt sein.
Tag 15 bis 20 nach der Haartransplantation
Zwischen dem 15. und 20. Tag nach dem Eingriff beginnt die Phase des sogenannten Schockausfalls – eine Zeit, mit der viele Patienten nicht zufrieden sind. Obwohl es sich um einen völlig normalen Vorgang handelt, fällt es den meisten schwer, den Haarausfall nach der Transplantation zu akzeptieren. Weitere Details zum Schockausfall finden Sie in unserem ausführlichen Artikel zu diesem Thema.
Eventuelle Schmerzen im Spender- und Empfängerbereich, die nur in seltenen Fällen auftreten, sind zu diesem Zeitpunkt vollständig abgeklungen.
Der Juckreiz hat zwischen dem 15. und 20. Tag deutlich nachgelassen oder ist sogar vollständig verschwunden.
Der erste Monat nach der Haartransplantation (Tag 30)
In dieser Phase beschleunigt sich der Schockausfall. In diesen Tagen beginnt die Stimmung vieler Patienten aufgrund des sichtbaren Haarausfalls merklich zu sinken – die Haare fallen jetzt deutlich sichtbar aus.
Ab dem ersten Monat kann es zu einer Rötung der Kopfhaut kommen. Diese postoperative Rötung kann bis zu ein bis zwei Monate anhalten.
Auf dem folgenden Bild sehen Sie die Entwicklung eines Patienten: am ersten Tag nach der Haartransplantation, nach Ablösung der Krusten am zehnten Tag sowie zwei Monate nach dem Schockausfall.

Monat 2 bis 3 nach der Haartransplantation
Der Schockausfall ist in der Regel nach etwa zwei Monaten abgeschlossen. Durch den ungleichmäßigen Haarausfall kann in dieser Phase ein unästhetisches Erscheinungsbild entstehen. Es ist möglich, dass einige Haare nicht ausfallen – diese wirken dann jedoch dünn und kraftlos.
Die Rötung der Kopfhaut kann weiterhin bestehen bleiben – selbst am 40. Tag kann die Rötung noch sichtbar sein.
Im Empfängerbereich können vereinzelt Pickel auftreten – sie treten vor allem bei Grafts auf, die etwas tiefer als üblich platziert wurden. Solange sie nicht übermäßig zahlreich sind, ist keine Behandlung erforderlich. Sie können bis zum 60. bis 70. Tag bestehen bleiben.
Darüber hinaus kann es in den Monaten 1 bis 3 nach der Transplantation zu Schuppenbildung kommen. Bei starker Schuppenbildung empfiehlt sich die Verwendung von ketoconazolhaltigen Shampoos wie Ketoral oder Nizoral – einmal wöchentlich angewendet.
An den Haarwurzeln können sehr kleine und unregelmäßige Härchen sichtbar werden – erste Anzeichen des beginnenden Wachstums.
Der vierte und fünfte Monat nach der Haartransplantation (Tag 120–150)
Erste Haaransätze zeigen sich ab dem vierten Monat. Die neu sprießenden Haare wirken zunächst noch fein und kraftlos – oft ähneln sie dünnen Flaumhaaren. Sie können in dieser Phase auch lockig oder in unregelmäßigen Wuchsrichtungen erscheinen. Durch sanftes Massieren und gezieltes Kämmen mit den Fingern können Sie die Haare in die natürliche Wuchsrichtung lenken und so einer unregelmäßigen Ausrichtung entgegenwirken. In dieser Zeit sind viele Patienten verunsichert – sie fragen sich besorgt, ob die Haare überhaupt wachsen werden. Am Ende des vierten Monats sind in der Regel etwa 30 Prozent der transplantierten Haare sichtbar geworden.
Gegen Ende des fünften Monats nimmt das Wachstum allmählich zu – dennoch hat die Haardichte noch nicht das gewünschte Niveau erreicht.
Der siebte und achte Monat nach der Haartransplantation
In den Monaten sieben und acht nach der Haartransplantation nimmt die Anzahl der nachgewachsenen Haare deutlich zu – gleichzeitig beginnen die Haare an Dicke zuzulegen. In dieser Phase ist mit einer Wachstumsrate von etwa 70 bis 80 Prozent zu rechnen. Nach 210 Tagen sollte die Zufriedenheit der Patienten spürbar gestiegen sein.
Der zehnte Monat nach der Haartransplantation
Nach zehn Monaten ist der Großteil der transplantierten Haare bereits nachgewachsen. Gleichzeitig setzt sich der Verdichtungsprozess der Haare weiter fort.
1 Jahr nach der Haartransplantation
Nach etwa einem Jahr ist das Ergebnis zu etwa 95 % fertig. Die neuen Haare sehen jetzt natürlich aus und haben eine gute Dichte erreicht. Unten sehen Sie die Entwicklung: vor der OP, nach 10 Tagen, nach 1 Monat und nach 13 Monaten.


Der 18. Monat (1,5 Jahre nach der Haartransplantation)
Dies ist der maximale Zeitraum, der für das vollständige, 100-prozentige Endergebnis der Haartransplantation erforderlich ist.
Der Heilungsprozess nach der Haartransplantation – Bildbeispiele
In der folgenden Präsentation sehen Sie 16 Bilder, die den zweijährigen Verlauf eines Patienten dokumentieren. Die Aufnahmen zeigen – in chronologischer Reihenfolge – den Zustand vor der Haartransplantation, am 2. Tag, am 4. Tag, am 10. Tag, am 20. Tag, nach 1 Monat, nach 2 Monaten, nach 3 Monaten, nach 4 Monaten, nach 5 Monaten, nach 6 Monaten, nach 7 Monaten, nach 8 Monaten, nach 9 Monaten, nach 1 Jahr und nach 2 Jahren.
Wie lässt sich die Rötung nach einer Haartransplantation behandeln?
- Waschen Sie Ihren Kopf mit lauwarmem statt mit heißem Wasser.
- Schützen Sie die transplantierte Stelle vor der Sonne – setzen Sie beim Rausgehen eine Mütze oder einen Hut auf.
Bei länger anhaltenden oder besonders stark ausgeprägten Rötungen sollten Sie Ihren Arzt oder Ihr Haartransplantationszentrum konsultieren. Gelegentlich kann es auch im Spenderbereich zu Rötungen kommen. Hier können kortisonhaltige Cremes Linderung verschaffen. Wir empfehlen jedoch, ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Arzt keine eigenständigen Behandlungen mit Medikamenten oder Cremes durchzuführen.
Wurde die Transplantation mit Bart-Haaren durchgeführt, kann es auch im Bartentnahmebereich zu Rötungen kommen – diese heilen jedoch in der Regel wesentlich schneller ab (meist innerhalb von drei bis vier Tagen).
Auf dem folgenden Bild sehen Sie den Zustand eines Patienten zwei Monate nach der Haartransplantation – mit sichtbarer Rötung und vereinzelten Pickeln.

Rötungen können jedoch auch durch fehlerhafte Transplantationen verursacht werden. Im Bereich der transplantierten Haarwurzeln können Infektionen (Follikulitis) sowie Gewebsnekrosen zu Rötungen führen. Nekrosen entstehen durch eine lokale Minderdurchblutung, die durch übermäßigen Einsatz von Adrenalin verursacht wird – dies führt zu einer Beeinträchtigung der Gewebenährstoffversorgung. Es können dauerhafte Rötungen und Pigmentveränderungen auftreten. Nekrose bedeutet abgestorbenes Gewebe – in diesen Bereichen wachsen keine Haare mehr. Bei der klassischen Kanalmethode wird Adrenalin als gefäßverengendes Mittel eingesetzt, um Blutungen im Empfängerbereich zu reduzieren. Da Adrenalin jedoch die Durchblutung verringert, kann die Gewebeernährung beeinträchtigt werden, was im schlimmsten Fall zu Nekrosen führen kann.
Bei der Stiftmethode (DHI) ist die Blutung von vornherein deutlich geringer, sodass wir kein zusätzliches Adrenalin verwenden – aus diesem Grund ist es bei uns bislang zu keinem einzigen Nekrosefall gekommen. Sollte dennoch eine Nekrose auftreten, muss der betroffene Bereich chirurgisch entfernt werden. Da in nekrotischen Arealen kein Haarwuchs mehr möglich ist, sind die betroffenen Patienten mit dem Ergebnis naturgemäß unzufrieden. Unten sehen Sie zwei Beispiele von Nekrosen nach Haartransplantationen, die in anderen Kliniken durchgeführt wurden.

